Wie kriegt man im heutigen Zeitalter kleine Mädchen dazu, die alte verstaubte Barbie-Puppe genau so lieb zu gewinnen wie PC-Spiele angesagter Trickfilmfiguren oder großäugige, pflegebedürftige Tierchen diverser Gamekonsolen? Man orientiert sich an der Erwachsenenwelt. Dazu nehme man eine virtuelle, interaktive Community, gebe die Möglichkeit einer fremden Identität in Form eines Pixel-Püppchens und addiere einen gewaltigen Schuss Pink – fertig ist das SecondLife für 10-Jährige, die Welt der sogenannten „Barbie Girls“.

Auf der laut Mattel „bahnbrechenden Plattform“ (natürlich Beta) können die vorpubertierenden Internet-Userinnen ihren eigenen Avatar, das Barbie Girl erstellen, sich in Cafès und Parks durch Chats mit anderen Girls verständigen oder sich im Einkaufszentrum die Seele aus dem Leib shoppen. Gezahlt wird mit „B Bucks“, die man sich durch Anschauen von Barbie-Filmtrailern im virtuellen Kinosaal oder beim Spielen diverser kleiner Games verdienen kann.
Nettes Konzept, putzig aufbereitet, aber kann so etwas für Kinder funktionieren? Und ob. Nicht nur, dass eine privat beobachtete 9-Jährige Testperson sich schon nach wenigen Klicks wie selbstverständlich durch die virtuelle Welt navigierte (ich wiederhole: 9 Jahre!). Auch die Mitgliederzahlen sprechen für den anscheinend wirklich bahnbrechenden Erfolg: In den ersten 60 Tagen nach Launch der englischsprachigen Version registrierten sich fast 3 Millionen User, täglich kamen laut Scientific American rund 50.000 hinzu. Zum Vergleich: SecondLife benötigte 3 Jahre, um 1 Million Mitglieder sein Eigen zu nennen! Barbie Girls ist damit die bisher am schnellsten wachsende virtuelle Community, Zahlen zur deutschen Version fehlen bisher allerdings.
Der für Eltern heimtückische, aber dennoch geniale Marketing-Gag an der ganzen Sache: für bestimmte Kleidungsstücke, Handtaschen, Kettchen , Möbel (mit denen man sich sein eigenes Pixel-Zimmer einrichten kann) oder gar private Chat-Sitzungen benötigt man ein
eigens für die „Barbie Girls“-Welt angebotenes USB-Terminal, was gleichzeitig als MP3-Player mit 512MB Speicherplatz fungiert (siehe Bild rechts, Quelle: amazon.de). Dieser dient quasi als Schlüssel für weitere Funktionen innerhalb der virtuellen Community, und es ist nicht überraschend, dass natürlich nur die schönsten, ausgefallensten und süßesten Accesoires und Features mit diesem Player zugänglich sind. Genau aus diesem Grund wird dieses Jahr auch auf tausenden, in wackeligen Schreibschriftbuchstaben verfassten Weihnachtswunschzetteln dieser Spielstick ganz oben stehen, und mit Sicherheit werden zahlreiche erweichte Elternherzen schließlich auch die horrenden 99,99 Euro für die Wunscherfüllung ihrer kleinen Sprösslinge ausgeben (zum Vergleich: ein MP3-Player mit gleichem Speicherplatz wie der von Barbie kostet im Schnitt etwa um die 30 Euro). Bei der beobachteten Testperson steht er zumindest neben dem Laptop und dem x-ten Nintendo-Spiel an dritter Stelle des Wunschzettels.
Weiterführende Links:
Informationen zum Thema Sicherheit auf “Barbie Girls”
Ausführlichere Infos zur Plattform von der New York Times
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