Wie schon Raphael vor mir, möchte auch ich heute mal ein paar Infos über meine Diplomarbeit bei netz98 preisgeben. Zunächst einmal: Ich bin schon fertig. Vor etwa einem Dreiviertel-Jahr habe ich meinen Abschluss als Dipl.-Medienwirtin (FH) an der FH O/O/W gemacht – in Zusammenarbeit mit netz98. Im Gegensatz zu den meisten Diplomanden hier (die, mal etwas vereinfacht gesagt, etwas programmieren und dann darüber schreiben) habe ich ein theoretisches Thema gewählt. Mit diesem habe ich mich initiativ bei netz98 beworben, und obwohl „Cue-Management im Web“ wahrscheinlich nicht auf Anhieb ein Lämpchen im Kopf hat aufleuchten lassen, konnte ich nach drei Monaten Praktikum dann direkt mit dem Schreiben meiner Diplomarbeit beginnen. Während der Schreibphase habe ich zwei Tage die Woche in der Agentur gearbeitet, den Rest der Woche musste ich mich in den Büchern vergraben.
(Dazu ein Tipp: Die Mainzer Uni bietet nicht-einheimischen Studenten die Möglichkeit, sowohl die Bibliothek als auch die Rechner mit einem Gast-Account zu nutzen. Kann äußerst hilfreich sein…
)
So, und darum ging es in meiner Diplomarbeit „Cue-Management im Web. Die Vermittlung unterbewusster Botschaften zur Beeinflussung des Kunden bei der Markenkommunikation im Internet“:
Ich habe mit Hilfe von aktuellen Forschungsergebnissen des Neuromarketings (also wie wirken Marken im Gehirn des Kunden) untersucht, welchen Einfluss Emotionen auf die Kaufentscheidung des Kunden haben. Dabei hat sich herausgestellt, dass Emotionen immer dann eine Rolle spielen, wenn sich der Kunde für eine von ihm präferierte Marke entscheidet. Starke Marken sind damit mit emotionalen Assoziationen verbunden, wie beispielsweise Coca Cola immer irgendwie mit Freiheit, Geselligkeit und Spaß in Verbindung gebracht wird. Warum ist das so? Weil diese Marken dem Kunden die Erfüllung eines inneren Zieles, eines Motivs signalisieren (im Falle Coca Cola: Trink Coke und du bist cool, du wirst Spaß haben und „dazugehören“, seine Ziele wären also Abwechslung/Spaß und Gruppenzugehörigkeit).
Nach dieser Erkenntnis habe ich dann Theorien aufgestellt, wie man im Web mit unterbewussten Botschaften dem Kunden genau diese Erfüllung bestimmter Ziele signalisieren kann. Dies geht zum einen über Sprache und Design, aber auch über Sound und die Simulation anderer Sinneserfahrungen (wie Riechen, Schmecken und Fühlen). Das funktioniert vom Prinzip her wie bei dem Gedanke vom Biss in eine Zitrone, wo nur bei der bloßen Vorstellung der Speichelfluss angeregt wird. Ein tolles Beispiel findet ihr hier (nach dem Laden unten bei den Buchstaben auf „B“ klicken und dann mit gedrückter Maustaste über den Screen fahren).
In diesem Image-Film wird das Fahren mit der Hand über einen Mercedes Ledersitz simuliert – und das auf technisch so schöne Art und Weise, dass man sich richtig vorstellen kann wie sich so etwas in der „realen Welt“ anfühlt. Dadurch werden beim User also Erinnerungen an die Weichheit eines Leders geweckt, vielleicht sogar auch an den Geruch dieses “edlen” Stoffes. Dieser Eindruck eines besonderen, hochwertigen Materials lässt den User das Produkt mit Erlesenheit und dadurch mit Status verbinden, und so wird unterbewusst die Erfüllung seines Bedürfnisses nach Reputation und Selbstdarstellung signalisiert. Wer so etwas schafft, kann seine Marke mit zielgerichteten Emotionen stärken.
Und das war es im Groben auch schon. Ich freue mich, dass ich mit so einem eigentlich abstrakten (und teilweise echt richtig kompliziertem) Thema trotzdem bei netz98 als Diplomandin angenommen wurde. Wer also von euch ein interessantes Thema für eine Abschlussarbeit hat und denkt, dass es viel zu praxisfern für eine Zusammenarbeit mit einem Unternehmen ist – versucht es trotzdem bei uns! Wenn die Idee stimmt, dann gibt es immer einen Weg. Dafür schon mal viel Erfolg

1 Antworten zu “Meine Diplomarbeit bei netz98 [The Official Version]”
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