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Die ICANN koordiniert die technische Verwaltung des Internet und ist somit eine Art “Regierung” des Netzes. In ihren Entscheidungsbereich fällt auch die Vergabe von Top-Level-Domains (TLDs), also etwa .de, .com., .org usw. Diese Adresszonen werden zum einen länderspezifisch vergeben oder auch als so genannten gesponserte Domains etwas für US-amerikanische Regierungsorgane (.gov) oder Bildungseinrichtungen (.edu). Daneben gibt es noch zahlreiche Spezialfälle, die in der Wikipedia ausführlich beschrieben sind.
Bei der Vergabe neuer TLDs galt bisland der Grundsatz, nur selten und wenige neue Domains zuzulassen, beispielsweise nach der Neugründung von Staaten. Von diesem Prinzip will die ICANN nun offenbar abweichen, möglichweise als Reaktion auf die immer wieder auftretenden Streitigkeiten bezüglich der Neueinführung von umstrittenen Adressbereichen wie .xxx. Auf ihrer gerade beendeten Konferenz in Paris beschlossen die über 1600 Teilnehmer eine weitgehende Freigabe der TLDs.
Das bedeutet, dass es künftig möglich sein wird, fast beliebige Begriffe als TLD zu verwenden. Zwar wird der Preis für die Einrichtung einer solchen Domain bei mehreren Hunderttausend Dollar vermutet, für interessierte Großkonzerne dürften das nur jedoch Peanuts sein. Vorstellbar sind zukünftig also URLs, die mit .microsoft, .google, .ebay oder .aldi enden. Wer über das nötige Kleingeld verfügt, kann sich bestimmt auch den eigenen Nachnamen sichern (http://bill.gates?). Allerdings schwoll der Chor kritischer Stimmung kurz nach Abschluss der Konferenz stark an, so dass mit einer zeitnahen Umsetzung des Konzepts eher nicht zu rechnen ist. Die Adresse http://marketing-meile.netz98/ wird es folglich wohl nicht so bald geben. Dennoch ist diese Entwicklung für große Firmen, die viel Geld übers Internet umsetzen, sicher interessant.