Behavioral Targeting

Es ist mehr als anderthalb Jahre her, da schrieb ein Kommilitone von mir eine Semesterarbeit über Behavioral Targeting als eine der neuesten Trends im Bereich des Online-Marketings. Heute, in der aktuellen Juli-Ausgabe der acquisa, fragt die Redaktion:

„Ist Behavioral Targeting (BT) eine neue »Wunderwaffe«?

Gut, über das Attribut „neu“ brauchen wir dann wohl nicht mehr zu sprechen. Aber über das Thema Wunderwaffe lohnt es sich, vielleicht einmal kurz nachzudenken.

Zunächst: Was ist Behavioral Targeting? Im Prinzip macht diese Form des Online-Marketings nichts anderes, als Banner und andere Online-Werbung aufgrund des Online-Verhaltens bestimmter Nutzergruppen zu platzieren. Das heißt, es werden Informationen darüber gesammelt, welche Internetseiten ein User häufig besucht und welche Interessen er hat, um Werbung für ihn gezielt zu platzieren. „Advertising gets personal“, wie das die Experten von eMarketer einst recht simple beschrieben. Inzwischen stellte selbiges Marktforschungsunternehmen fest: Behavioral Targeting wird in der Werbebranche zunehmend populärer. Laut einer aktuellen Prognose sollen die Ausgaben auf dem US-amerikanischen Markt von 775 Mio. US-Dollar in 2008 auf 4,4 Mrd. US-Dollar in 2012 steigen. Hauptsächlich verantwortlich für diesen Wachstumsschub könnten Online-Videos sein. Zwar ist die Werbung in und um Videos noch relativ teuer – mit der Anzahl der online verfügbaren Videos wird jedoch auch der Gebrauch des Behavioral Targeting zur zielgerichteten Adressierung von Werbung zunehmend genutzt werden.

Klingt also tatsächlich ein wenig nach Wunderwaffe, diese personalisierte Werbung. Wäre da nicht genau eben dieses Wort – „personalisierte Werbung“. Denn das ist für die meisten Internetuser ein rotes Tuch. In Zeiten, in denen online zwar jeder und überall unzählige Informationen freiwillig über sich preis gibt, ist sich ein Großteil der User trotzdem einig: Die Verwendung von persönlichen Daten für nutzerbezogene Werbung ist ein absolutes No-Go. Besonders in Erinnerung gelieben sein dürfte da vor allem das riesige Debakel um die neuen Geschäftsbedingungen von StudiVZ. Aber auch das „reine Mitprotokollieren“ der eigenen Webaktivitäten zur Verwendung für Dritte wird von den meisten Internetnutzern kritisiert. Das fanden zumindest eMarketer in einer weiteren aktuellen Studie heraus. Rund 70 % der US-User sind sich über die Mitprotokollierung im Klaren, aber nur 23% davon haben kein Problem damit.

Statistik von eMarketer

Bildquelle:createordie.de

“Prinzipiell wollen Konsumenten zwar Werbung, die auf ihre persönlichen Bedürfnisse und Interessen zugeschnitten ist. Was die hierfür notwenige Erhebungsmethode betrifft, sind sie aber überaus kritisch”, so ein Auszug aus dem eMarketer-Bericht. Klingt also nach einem eindeutigen Problem. Eine Möglichkeit, User zur Annahme des BT zu bringen, sei die vorherige Einholung des Einverständnisses. So zumindest der Vorschlag im Bericht. Ich bin gespannt, ob und wie sich diese Debatte weiter fortsetzen wird. Oder ob es am Ende nicht doch ähnlich wie bei StudiVZ laufen wird: Die anfängliche Kritik löst sich mit der Zeit in Luft auf, bis es keinen mehr interessiert… und schließlich mehr oder minder als gegeben hingenommen wird.

0 Antworten zu “Behavioral Targeting”


  1. Keine Kommentare

Eine Antwort hinterlassen