“Dat versteh ich nit” - Usability-Tests

Bevor ich mich beruflich mit Webseiten beschäftigt habe, war mir nicht klar, wie Designer prüfen können, ob Ihr Layout den gewünschten Zweck erfüllt. Hellseherische Fähigkeiten beanspruchen sicher manche von ihnen (”Das versteht doch jeder…”) und Erfahrungswerte spielen natürlich auch eine wichtige Rolle. Dass die Gestaltung einer Seite jedoch tatsächlich die gewünschte Wirkung beim Endnutzer erzielt, darf nicht dem Zufall überlassen werden.

Denn Nutzer, die sich nicht ständig mit dem Internet beschäftigen, ticken bei der Benutzung von Websites natürlich ganz anders als ein Profi, der beruflich mit der Erstellung dieser Seiten betraut ist. Gerade deshalb ist es wichtig, Gestaltung und Benutzerführung vor der Umsetzung von ausgewählten potenziellen Benutzern prüfen zu lassen. Solche Usability-Tests werden von darauf spezialisierten Unternehmen durchgeführt, die darüber hinaus auch fundierte Analysen der Tests liefern können.

Ich hatte vor kurzem zum ersten Mal die Möglichkeit, an einem solchen Test als Beobachter teilzunehmen. Dabei surft der Tester in einem separaten Raum über die Seite und wird dabei gefilmt bzw. durch ein Spiegelglas beobachtet. Seine Mausbewegungen und Tastatureingaben werden zur späteren Auswertung ebenso gesichert wie seine Stimme. Bei erweiterten Tests können zusätzlich auch die Augenbewegungen des Testers aufgezeichnet werden (Eye-Tracking). Anhand eines Click-Dummys surft der Nutzer durch die Seite und beantwortet Fragen zu Positionierung oder Gestaltung von Elementen oder versucht, Aufgaben zu lösen. Dabei ist auch das persönliche Surfverhalten des Testers von Interesse: Ein fortgeschrittener Internet-Benutzer findet sich durch bereits gelerntes Verhalten schneller zurecht als jemand, für den ein Browser der Bruder von Godzilla ist.

Besonders interessant war für mich als Beobachter zunächst, dass diese gelernten Verhaltensweisen bei der Nutzung von Websites nicht ohne Weiteres zu verdrängen sind. Beispielsweise wurde ein Formular mit “Absenden”-Button klaglos genutzt, während die Ajax-Lösung, also die Generierung von Ergebnissen schon während der Eingabe in das Formular die Benutzer eher irritierte, obwohl sie im Grunde ja effektiver und schneller ist. Auch die Nutzung von im Web 2.0-Umfeld weit verbreiteten Elementen wie z. B. Tag-Clouds wird längst nicht von allen Nutzern als vorteilhaft erkannt oder akzeptiert. Mehr Wert legten die Tester darauf, dass sie nach dem Aufruf der Seite möglichst schnell möglichst viel Inhalt der Seite erkennen können, z. B. an einer Themen- bzw. Kategoriennavigation.

Für mich war der Besuch dieses Tests sehr lehrreich, da man als Screen-Designer oder Umsetzer von Webseiten zwischen Deadlines und Kundenwünschen schnell den Endbenutzer aus dem Auge verlieren kann. Weniger ist wie überall in der Gestaltung oftmals mehr und hilft dem Benutzer gerade auf größeren Seiten, sich besser zurecht zu finden. Auch sollte man nicht unterschätzen, dass Gestaltungs- und Nutzungselemente, die für webaffine Nutzer seit langem Gang und Gebe sind, noch nicht bei allen Nutzern auf dasselbe Feedback stoßen. Eine gute Mischung aus klassischen Frontend-Elementen als Fallback-Lösung für moderne, interaktivere Elemente ist daher für die Gestaltung im Web unabdingbar.

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