Der Massenfertigung kundenindividuell konfigurierter Produkte wird eine große Zukunft vorausgesagt, denn Mass-Customization verbindet die Vorteile der Massenproduktion mit denen der Einzelfertigung. Viele Marketingfachleute, Unternehmensberater und auch wir von netz98 sehen in dem im Fachjargon als Mass Customization bezeichneten Trend eine wichtige Wettbewerbsstrategie der Zukunft – gerade für Hersteller von Mode- und Lifestyle-Produkten. Die Integration der Kunden in die Produktentwicklung ist die logische Weiterentwicklung der Kundenorientierung, denn wer weiß besser was ihm gefällt und was seine Bedürfnisse befriedigt, als der Kunde selbst? Auch für die Hersteller eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten, denn musste bisher viel Marketingbudget dafür verwendet werden, den potenziellen Käufer von den Vorteilen des Produktes zu überzeugen, so hat dieser bei Mass Customization das Produkt bereits auf seine eigenen Bedürfnisse angepasst und der Hersteller muss es „nur noch“ wie gewünscht produzieren und ausliefern.

Nike Air im netz98-Branding
Einige Anbieter wie Nike haben den Weg bereits seit längerem eingeschlagen und richten - ermutigt durch erste Erfolge – ihre Konzernstrategie entsprechend konsequent aus. Die ersten vorsichtigen Versuche erfolgten bereits im Jahre 1999 und mittlerweile gilt der NikeiD-Store als ausgereifter Vorzeige-Shop zum Thema Mass Customization.
Was liegt also näher, als anhand eines Selbsversuchs die Versprechnungen und Vorschusslorbeeren zu überprüfen und den Praxistest mittels einer Quasi-Einzelanfertigung-Bestellung zu wagen. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen:
Test überzeugend bestanden!
Aber schön der Reihe nach: Am 15.09., einem ruhigen Dienstag abend, habe ich mir den bereits zu früheren Zeiten immer mal kurz durchgeklickten und komplett in Flash realisierten Shop intensiv zur Brust genommen und mir ein paar Nike Air Zoom-Treter individuell konfiguriert. Und hierbei ist individuell konfiguriert wirklich nicht übertrieben! Mittelsohle, Akzentnähte, Frontbereich, Schnürsenkel, Nike-Swoosh (das obligatorische Nike-Symbol an der Seite), Lasche, Schuhkragen und Rückseite: alles in verschiedensten Farben, teilweise sogar Mustern, kombinierbar. Der Clou aber: Die Beschriftung der Rückseite, welche normalerweise aus dem Nike-Schriftzug bzw. Logo besteht, kann mit individuellem Text versehen werden. So bekommen für mich hochtrabende Begriffe wie Customer CoConstruction in der Realität eine nachhaltige und beeindruckende Bedeutung. Durch die bereits erwähnte Umsetzung in Flash kann der Schuh munter gedreht und gewendet werden und man kann seine Eigenkreationen aus den unterschiedlichsten Perspektiven auf sich wirken lassen. Das nenne ich mal joy of use! Mein Spieltrieb wurde soweit geweckt, dass ich bis weit nach Mitternacht über 2 Stunden verschiedenste Modelle und Variationen ausprobiert habe, bis ich zu einem finalen „Endprodukt“ gelangt bin.
Dann in den Warenkorb gepackt, den relativ übersichtlichen und verständlichen Bestellprozess abgeschlossen. Die 100 EUR für die Schuhe und die 9,90 EUR für die Auslandslieferung sind in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um ein für mich individuell hergestelltes Produkt absolut im Rahmen, wie ich finde. Hier scheint Nike, was die modularisierten Fertigungsprozesse angeht (Baukastenprinzip), bereits sehr gut aufgestellt zu sein, sonst wäre ein solcher Preis und eine Lieferzeit von 3-4 Wochen sicher nicht möglich.
Einen Tag später hatte ich, als Ergänzung zu der direkt nach Bestellung erfolgten E-Mail-Bestätigung, eine weitere E-Mail in meinem Postfach mit dem Hinweis, dass die Fertigung meines Schuhs begonnen wurde und ich, wie bereits während des Bestellprozesses verkündet, in ca. 3-4 Wochen die Lieferung erwarten könne. Heute, also noch nicht einmal drei Wochen später, ist die Lieferung eingetroffen und das Ergebnis habe ich Euch ja bildlich beigefügt. Eine echt prima Sache also und für viele Branchen und Produkte wird das Thema Mass Customization sicher ein wichtiger Wettbewerbsvorteil der nächsten Jahre werden. Zum Abschluss noch eine weitere, bemerkenswerte Erkenntnis aus dem Selbstversuch: Die Schuhe könnten doch tatsächlich innerhalb von 30 Tagen gegen Rückerstattung des Kaufpreises retourniert werden. Käuferherz was willst du mehr!
coole schuhe - das werde ich in kürze auch mal auschecken
echt stylische schuhe ! hat sogar spaß gemacht sie zu fotografieren
Gratulation! Die Schuhe sehen wirklich gut aus und 100 Euro zahlt man ja normalerweise auch für ähnliche Standard-Schuhe im Geschäft. Dass man die “Sonderanfertigung” trotzdem problemlos zurückschicken kann, macht das ganze tatsächlich noch attraktiver, aber ich glaube jeder überzeugte Anbieter von Mass Customization Produkten (mal von Food & Beverage abgesehen) nimmt lieber die Ware zurück als die Kunden zu verärgern.