Was macht eigentlich……… ein E-Commerce-Berater?“ Ein Interview mit Daniel Nitz

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Daniel, erzähl uns kurz, wie du zu netz98 gekommen bist?
“Ich habe damals als Entwickler bei netz98 angefangen und hatte schon bei meinem vorherigen Arbeitgeber viel mit E-Commerce zu tun. Da wir damals eine leistungsstarke E-Commerce Plattform suchten und ich ein Grundwissen mitbrachte, entwickelte sich schnell auch das Anforderungsprofil eines E-Commerce Beraters bei netz98. Der technische Hintergrund ist für mich essentiell, um diese Stelle voll auszufüllen.”

Was muss man mitbringen, um „E-Commerce-Berater“ werden zu können?
“Nun zunächst sollte man auf jeden Fall eine hohe Affinität zu den Themen Internet und E-Commerce mitbringen. Ganz konkret heißt das, dass man die aktuellen Trends der Online-Branche genauestens beobachten muss und immer am Puls der Zeit sein muss. Ich lese täglich die einschlägigen Trend-Blogs zum Thema und tätige selbst Testkäufe in Online-Shops, um mir Inspiration zu holen, aber auch um herauszufinden, wo noch Defizite bzw. Verbesserungspotenzial liegen könnte.
Dass ich vor meiner Tätigkeit als E-Commerce-Berater zu dem netz98-Entwickler-Team gehörte und selbst Online-Shops und diverse andere Projekte technisch umgesetzt habe, kommt mir bei meinen jetzigen Aufgaben zugute. Es ist wichtig, das nötige technische Know-How zu besitzen, um eigene Ideen umsetzen zu können und generell zu eruieren, was im E-Commerce technisch machbar ist und was nicht. Darüber hinaus ist es notwendig, dass man ein Verständnis für kaufmännische Aspekte und Abläufe mitbringt, da man die Effizienz von Projekten beurteilen und detaillierte Marktumfeldanalysen erstellen muss. Das Aufgabengebiet ist also ganz schön vielfältig und es ist generell wichtig, sich für viele unterschiedliche Themenkomplexe zu interessieren.”

Bitte beschreibe uns kurz, wie deine Arbeit als „E-Commerce-Berater“ aussieht.
“Meine Arbeit beginnt in der Regel noch vor Start des eigentlichen Projektes beim Kunden. Zunächst einmal ist es wichtig, ganz genau zuzuhören, um herauszufinden, wie sich der Kunde sein Projekt vorstellt, welche Ideen und Wünsche er hat und was er von seinem Projekt erwartet. Ich sehe mich selbst als Partner des Kunden an und kommuniziere mit ihm auf Augenhöhe.
Für mich ist es sehr wichtig, so viel wie möglich über die bereits bestehende oder die anvisierte Zielgruppe des Kunden zu erfahren und diese intensiv kennen zu lernen, da dies ausschlaggebend für den späteren Erfolg eines E-Commerce-Projekts ist.

Ich muss versuchen, beide Perspektiven einzunehmen: Die, unserer Kunden, aber auch die, der jeweiligen Zielgruppe. Hier ist sehr häufig Fingerspitzengefühl gefragt, denn nicht alles, was konkret vom Kunden gewünscht wird, ist auch direkt gut für die Zielgruppe. Ein wichtiges Instrument in diesem Prozess ist die Durchführung umfassender Usability Tests. Leider wird die Wichtigkeit dieses Instruments von vielen häufig unterschätzt und manchmal muss ich hier jede Menge Überzeugungsarbeit leisten. Generell gilt: Nur der, der seine Zielgruppe wirklich kennt und weiß, was sie braucht und will, kann später ein gutes Produkt an den Markt bringen. Hier bin ich beratend tätig und erarbeite gemeinsam mit dem Kunden eine erste Roadmap für das Projekt. Ist diese Phase abgeschlossen und wurden die einzelnen Ziele umfassend definiert, steige ich in das konkrete Projekt ein und fungiere dort als Schnittstelle zwischen Kunden und insbesondere Konzeption und Design. “

Ganz ehrlich: Macht das überhaupt Spaß?
“Diese Frage kann ich mit einem klaren JA! beantworten. Das, was ich besonders an meiner Arbeit mag ist, dass jeder Tag neue und andere Herausforderungen an mich stellt, da ich mich in jedes Projekt neu reindenken muss. Kein Projekt ist wie das andere und so werde ich mit immer neuen Konstellationen und Situationen konfrontiert, die es zu meistern gilt. ”

Das klingt ja alles sehr positiv, aber gibt es manchmal auch Schwierigkeiten, die du bewältigen musst?
“Als E-Commerce-Berater ist man gleichzeitig auch Diplomat. Es gilt, einen Konsens zwischen Kundenwünschen und den Zielgruppenanforderungen zu finden und hierbei eigene, persönliche Präferenzen komplett zurückzustellen. Es geht nicht darum, was man selbst als gut und sinnvoll erachtet, sondern um das, was später die Zielgruppe für gut befinden wird – denn DAS zeichnet den Erfolg eines guten E-Commerce-Projektes aus! Als Berater, der von extern in ein Unternehmen hereinkommt und dieses berät, verfüge ich über einen entscheidenden Vorteil: Ich bringe die nötige Distanz zum anvisierten Projekt mit und kann manche Aspekte kritischer beurteilen als jemand, der zu stark in den Entstehungsprozess des geplanten Projekts mit eingebunden war. Hier stellt sich naturgemäß eine gewisse Betriebsblindheit ein, der ich mit meiner Beratungsleistung entgegenwirken kann. Grundsätzlich arbeitet man als E-Commerce-Berater oftmals auch unter einem hohen Druck – schließlich ist der Markt hart umkämpft und die Konkurrenz nur einen einzigen Klick entfernt.
Insbesondere bei Startup-Unternehmen, die ganz frisch an den Markt gehen wollen, stehe ich vor einer besonderen Herausforderung, da hier die Zielgruppe noch gar nicht existent ist und diese zunächst definiert werden muss. Hier gilt es Mut zu beweisen und Dinge auf den Weg zu bringen, dabei jedoch immer im Hinterkopf zu behalten, dass es wichtig ist, seine Strategie bei Bedarf zu korrigieren und anpassen zu können. Ich arbeite getreu der Maxime „E-Commerce beginnt nach dem Livegang“, was bedeutet, dass man die E-Commerce-Leistung keinesfalls auf die Umsetzung beschränken darf. Es ist wichtig, das Projekt so flexibel und dynamisch zu gestalten, dass es nach Livegang jederzeit an sich ändernde Gegebenheiten und Trends angepasst werden kann. Hier gilt es jedoch nicht, rein auf neue Trends zu reagieren, sondern ich sehe meine Aufgabe vielmehr darin, gemeinsam mit dem Kunden proaktiv zu agieren und neue Ideen und Trends zu integrieren.
Ich bin der Überzeugung, dass hier ein Umdenken stattfinden muss. Insbesondere die Phase der Konzeption, die häufig etwas stiefmütterlich behandelt wird, muss ein stärkeres Gewicht erhalten, da diese absolut essentiell für Erfolg oder Misserfolg eines E-Commerce-Projekts ist. Es ist wichtig, dass stärker in die Konzeption investiert wird und nicht ausschließlich in die Phase der technischen Umsetzung. Aktuell nähern sich die technischen Features, insbesondere solche von Online Shops, immer stärker aneinander an und der Spielraum auf diesem Gebiet wird immer geringer. Aus diesem Grund muss man in der Konzeption ansetzen, da dort die Voraussetzung für die Entwicklung von Alleinstellungsmerkmalen eines Online Shops geschaffen werden. ”

Du hast ja bereits gesagt, dass E-Commerce sehr schnelllebig ist. Welches sind deiner Meinung nach die großen Herausforderungen, mit denen man sich als E-Commerce-Berater in der Zukunft befassen muss?
“Eine große Herausforderung, jedoch aber auch ein riesiges Potential, liegt meiner Meinung nach im Ausbau des Kundenservices. Hier hinkt der deutsche Markt dem US-amerikanischen noch hinterher. Die Kommunikation mit den Kunden muss gestärkt werden, um diesen ein Gefühl von Vertrauen und Sicherheit zu geben und den Servicegedanken noch aktiver zu leben. Der Kunde muss optimal betreut werden und darf nach Abschluss des Bestellvorgangs nicht auf sich allein gestellt sein. Auf diesem Gebiet sehe ich in Deutschland noch klare Defizite.
Eine weitere Herausforderung wird sein, die Usability auch weiterhin an aktuelle Trends und Entwicklungen anzupassen, insbesondere bei Online-Formularen, hierbei jedoch den Brückenschlag zwischen Innovation und der Beibehaltung von den Nutzern „gelernter“ Wege zu meistern. Wie man sieht gibt es also noch viel zu tun, was über die reine Überwachung der einschlägigen Key Performance Indikatoren herausgeht.
Einen besonderen Faible habe ich, wie vielleicht einige wissen, für das Thema „Mass Customization“. Dieser Trend geht einher mit der gesellschaftlichen Entwicklung hin zu mehr Individualität des Einzelnen. Hierbei geht es nicht mehr rein um die Personalisierung von Internetseiten, sondern um die optimale Anpassung von Produkten auf die jeweiligen Bedürfnisse und den Geschmack des Einzelnen. Vorgemacht haben es bereits Nike, Spreadshirt, MyMüsli und viele andere und der Markt für Mass Customization wächst weiter.
Dieses Potenzial muss ausgeschöpft werden, jedoch auf eine sinnvolle Art und Weise. Nicht jedes Produkt eignet sich gleichermaßen zur Individualisierung bzw. Personalisierung, was sich zum Beispiel anhand von Parfums verdeutlichen lässt. Nicht jede Duftkombination ist vorteilhaft und aus diesem Grund macht Customization auf diesem Gebiet nur dann Sinn, wann man dem Kunden vorausgewählte, sinnvolle Konfigurationen mit an die Hand gibt, die ihm den Weg durch den Dschungel an möglichen Kombinationen weisen. Es gilt also, zukünftig noch stärker für die Zielgruppe zu arbeiten und sich auf diese einzustellen. ”

Daniel, vielen herzlichen Dank an dich für dieses Interview!

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