Archiv für April, 2010

Design über Nacht verstorben

Die Kunst des Designs stirbt, lautet die Headline des „Smashing Magazines“. Funkstille in meinem Kopf. Nur zur Sicherheit maximiere ich noch mal das Fenster mit meinem aktuellen Layout, bevor ich weiterlese. Sieht eigentlich noch ganz lebendig aus.

Der Artikel beginnt mit einer Hommage an Jim Lee. Der Autor erinnert sich, wie der Zeichenstil der Marvel-Comics ihn faszinierte – und die Imitation beinahe zur Obsession wurde. Unter dem ersten Absatz prangen Bilder von Superman und Batman. Ich muss an unseren Kühlschrank denken, den ich mit einer legendären JimLee-Szene aus Batman bemalt habe.

Früher habe man sich die Techniken durch mühsame Imitation selbst erarbeitet, während man heute ein Tutorial macht. In beiden Fällen führe die richtige Technik aber nicht unbedingt zum Ziel, da die logische Komponente fehle. Stimmt! Ein guter Designer weiß nicht nur wie er eine Idee visualisiert, sondern auch, warum er das tut.

Der Artikel wird schnell zu einem Indizienprozess, der durch das „Designers Menu“ visualisiert wird. Eine karge Aluschale, gefüllt mit handwerklich soliden aber unkreativen Speisen. Erinnert ein bisschen an unser Agenturmittagessen. Es war vielleicht auch bei einem Mittagessen – vor den kargen Aluschalen, die symbolisch für den Niedergang der Designkultur herhalten sollen – als unser Creative Director sagte: „Ein schönes Layout reicht nicht aus. Man muss es auch argumentieren können“. Obwohl wir also aus einem schlechten Omen speisen, wissen wir bei netz98 ganz genau, worauf es ankommt.

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Das „Smashing Magazine“ hat nicht Unrecht. Es ist immer häufiger zu beobachten, dass opulente Effekte die zündende Idee ersetzen. Ein faszinierender Effekt im Hochglanz-Design ist dank detaillierter Tutorials auch mit einem soliden Basiswissen zu meistern. Doch auch die schönste Visualisierung braucht eine Idee, die ihr Leben einhaucht. Eine faszinierende Idee konsequent zu entwickeln und in ein stimmiges Gesamtkonzept zu integrieren,  kann nicht per Video-Guide gelernt werden. Hier sind neben Talent und Fingerspitzengefühl vor Allem die Erfahrung und viel Fachwissen gefragt. Ein Tutorial kann immer nur einen Punkt vom Kontext isolieren und aufschlüsseln. Nur wer sich konsequent und kontinuierlich mit Design beschäftigt, sowohl handwerklich als auch theoretisch, kann nach und nach die komplexen Zusammenhänge verstehen.

Wedgewood kommt mir in den Sinn. Jedoch nicht, weil ich an des „Designers Menu“ denke und beim Mittagessen zukünftig die verpönten Aluschalen gegen Porzellan aus traditioneller Herstellung eintauschen will.

Nein, wegen der Arts&Crafts Bewegung und dem Bauhaus-Manifest. Erinnern wir uns an Walter Gropius, der das Design (Industrie- und Produktdesign) von der Kunst emanzipierte und anfänglich auf wenig Gegenliebe stieß. Für viele Kunstschaffenden in traditionellen Manufakturen war es unvorstellbar, industriell gefertigten Waren einen ähnlichen Stellenwert einzuräumen. Die von Michael Thonet mit Wasserdampf gebogenen Holzstühle waren aus Sicht von Arts&Crafts nicht kunstvoll sondern lieblos. In der Tat waren die berühmten Wasserdampf-Stühle nicht mit den aufwändig verzierten Meister- aber eben auch teuren Einzelstücken der Schreiner zu vergleichen.

Kunst, respektive Design, war plötzlich nicht mehr exklusive Luxusware sondern für Jedermann zugänglich. Just an dieser Stelle schließt sich der Kreis. Durch die Bereitstellung mannigfaltiger Tutorials und Templates kann jeder User über einen netten Twitter-Background, ein witziges Avatar-Bild oder sogar ein ansprechendes HP-Template verfügen.

Kein Grund, sich in der Designerehre gekränkt zu fühlen. Die Tutorial- und Freebie-Flut steht in keiner Konkurrenz zum Berufsdesigner. Im Gegenteil! Das Bedürfnis nach Design steigt und ist inzwischen für jeden User zugänglich – umso mehr steigt die Notwendigkeit für Unternehmen und Einzelpersonen, sich mit professionellen Design-Lösungen abzuheben. Lasst uns also gute Freunde sein und uns nicht gegenseitig die Daseins-Berechtigung absprechen, wie einst Arts&Craft und Bauhaus.
Was den ambitionierten Berufs-Designer betrifft, gebe ich dem „Smashing Magazine“ dennoch Recht. Nicht immer ist ein Tutorial der cleverste Weg zum Ziel, da man viele wertvolle Erkenntnisse und Entwicklungsprozesse ausschließt. Ich kann den Stil von Jim Lee bis heute nicht perfekt imitieren, um noch einmal auf das Beispiel meines Kühlschranks zurückzukommen.  Bei meinen zahlreichen Versuchen habe ich allerdings meinen eigenen Stil gefunden. Ist doch auch was, oder?

Ich atme auf. Wenn ich später mein Mittagessen aus einer schnöden Aluschale picke, Jim Lee noch immer nicht perfekt imitieren kann und mir gerade der Kopf von der Arbeit an einem spannenden Layout raucht, weiß ich, dass das Design nicht stirbt. Aber vielleicht verändert es sich.

Apple vs. Adobe

Gestern fand das große Online-Launch-Event für die neue Adobe Creative Suite 5 statt. Nicht nur für mich als Flash-Developerin war ein ganz bestimmtes neues Tool besonders vielversprechend: der iPhone-Packager für ActionScript 3 Projekte. Da man bis dato keine Web-Flash-Inhalte auf dem iPhone anzeigen lassen kann, verhieß der iPhone-Packager eine neue Chance: bestehende Flash Anwendung nehmen, konvertieren und im App Store nun endlich auch auf dem iPhone einer wichtigen Zielgruppe zugänglich machen.

Das wäre wirklich super gewesen. Hätte Apple dem Ganzen nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn mit einer Vorabversion des neuen iPhone OS 4 hat Apple auch gleich die Lizenzbedingungen für Entwickler mit bearbeitet: Das neue Betriebssystem lässt jetzt nur noch Apps zu, die in den von Apple genehmigten Programmiersprachen erstellt wurden. ActionScript gehört nicht dazu.

PFLATSCH. Ja, das klingt in der Tat nach einem Schlag in das Gesicht eines Entwicklers. Und zwar nicht nur in das eines Flash-Entwicklers; betroffen sind auch Entwickler, die iPhone-Apps mit Hilfe von speziellen Tools in Javascript oder C# programmieren.

Und trotzdem fragt man sich besonders als Flash-Developer:

Hat Flash dann im Web überhaupt noch eine Zukunft?

Zusammen mit Html5, das als Standard angeblich bald das können soll, was Flash kann, wird die Diskussion um den Einsatz und die Notwendigkeit der Adobe Software wieder angeheizt. Besonders hervorheben möchte ich hier einen Artikel des Smashing Magazine; nicht wegen des Artikels selbst, sondern wegen der unzähligen Kommentare. Denn obwohl ich mich nach Lesen des Artikels schon mit Gitarre irgendwo in der Fußgängerzone mein Geld verdienen sah, bin ich nach den unzähligen Kommentaren dazu der festen Überzeugung: Es wird auch weiterhin die Notwendigkeit für Flash-RIAs geben, denn zumindest in naher Zukunft kann Html5 den unzähligen Möglichkeiten in der Flash-/Flex-Entwicklung nicht das Wasser reichen.

Zudem glaube ich, dass in der Apple-Adobe-Affäre das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde. Denn Flash-Skeptik hin oder her: Fakt ist, dass Apple einen aus meiner Sicht nicht vertretbaren Eingriff in die Konsumfreiheit von Informationen aus dem Web vornimmt. Ich entscheide doch, was ich mir ansehen will, nicht Apple. Für mich hat da ein Konzern einfach zu viel Kontrolle über die Webinhalte, die ich konsumieren „darf“. Und wie kam da bei einer internen Diskussion über das Thema treffend heraus:

„Immer wird über das Microsoft-Imperium gemeckert. Wenn man aber die Möglichkeit hat, auch ein bisschen Monopolismus zu betreiben, ist man sofort dabei.“

Was macht eigentlich ein Junior Art Director …

… fragte der Blog-Eintrag, den ich just am Abend vor meinem GOLIVE las. Dem GOLIVE als Junior Art Director bei netz98. Zugegeben, dort wo die Welt nicht in RGB dargestellt und durch STRG+Z wieder in Ordnung gebracht werden kann, spricht man vielleicht eher von einem Jobstart. Trotzdem ist der Vergleich durchaus adäquat. Oft zeigt sich erst beim GOLIVE ob ein Layout allen Anforderungen entsprechen kann – warum sollte es bei einem Junior Art Director anders sein?

Doch keine Sorge. Wo Profis am Werk sind, werden meist die richtigen Entscheidungen getroffen.

Inzwischen bin ich seit über einem Monat „live“ und es gab weder einen aufgebrachten Projektleiter-Mob, noch einen Entwicklerstreik. Im Gegenteil, es macht richtig Spaß! Ein nettes Team, mit mächtig was auf dem Kasten, spannende Projekte und schickes Equipment. Was braucht ein Designer mehr, um sich so richtig wohl zu fühlen?  Nichts!

Doch das  interessiert Euch gar nicht und ihr wollt  einfach nur endlich wissen, was ein Junior Art Director macht? Na, ganz genau das! Ein Junior Art Director kann nicht nur schicke Layouts entwerfen, sondern auch dafür sorgen, dass der User genau das findet, was er sucht oder erwartet. Während Design für den User immer emotional ist, muss der Designer analytisch und rational vorgehen. Der eigene Geschmack muss Zielgruppen-Definitionen weichen und der persönliche Stil dem Gesamtbild untergeordnet werden. Die Kunst liegt darin, den Kerngedanken eines Unternehmens einzufangen und zu visualisieren – zeitgemäß, ansprechend, schön, funktional und zielführend.

Ihr seht, das Bild vom chaotischen Künstlertypen muss endlich in Vergessenheit geraten – Struktur und Kreativität sind in Wahrheit gute Freunde, insbesondere beim Design. Und weil das Team von netz98 das genauso sieht, freue ich mich ganz besonders über meinen GOLIVE.

Als Junior Art Director bei netz98 mache ich also viele tolle Designs, die nicht nur schön aussehen, sondern auch funktional sind. Ich berate Kunden und übernehme nach und nach Führungsverantwortung im Design-Team. Das Beste daran ist aber, dass ich jederzeit bei unserem Creative Director vorbei schauen und ihn um Rat bitten kann. Das schätze ich wirklich sehr, weil es mich immer einen Schritt weiter bringt.

Nun wisst ihr, was ein Junior Art Director macht. Und DIESER Junior Art Director fühlt sich pudelwohl.

Eure Verena