Shop of the week #4: myfab.com
Jeder, der schon einmal umgezogen ist oder kurz vor einem Umzug steht, wird folgendes Dilemma kennen:
Mit der neuen Wohnung soll alles anders werden – jetzt wird endlich abgerechnet mit dem Studenten-Style und es ist Zeit, unseren langjährigen, treuen, jedoch etwas in die Jahre gekommenen, Begleitern „Billy”, „Klippan” & Co. Adieu zu sagen und in die ewigen Jagdgründe zu verabschieden. Mit den neuen Räumen soll ein frischer Wind einziehen und wir möchten nicht länger vom „Ektorp” sprechen, wenn wir unser Sofa meinen oder unsere Bücher in ein „Expedit”, anstatt in ein Regal stellen.
Also begeben wir uns auf die Suche nach einem neuen Einrichtungskonzept, wälzen „Schöner Wohnen”-Magazine, sehen uns sogar Tine Wittler im Fernsehen an und durchstreifen, auf der Suche nach mehr Individualität und dem gewissen „Etwas”, unzählige Möbelhäuser (von Baumärkten ganz zu schweigen), um dann, völlig desillusioniert ob der hohen Preise oder des einfallslosen Designs ……… doch wieder bei Ikea zu landen.
Hatten wir zuvor noch mit stolz geschwellter Brust die neue Wohnung zur Ikea-freien Zone erklärt, so fragen wir uns spätestens auf dem Parkplatz, wo wir das altbekannte „Tetris” mit den Möbelpaketen und dem Kofferraum unseres Golfs spielen, ob es denn wirklich keine anderen Alternativen gegeben hätte.
Doch, hätte es.
Auf Myfab findet man Möbel mit individuellem Design, die jedoch nicht teuer sind, sondern zu Fabrikpreisen angeboten werden. Das funktioniert folgendermaßen:
Das Konzept
Auf Myfab wird das Produktsortiment nicht von oben diktiert, sondern demokratisiert: Im Rahmen einer Online-Abstimmung entscheiden Kunden darüber, welche Möbelkollektionen zukünftig auf Myfab angeboten werden sollen. Möbelstücke aus diesen ausgewählten Kollektionen können dann im Rahmen einwöchiger Verkaufsaktionen bestellt werden. Diese Bestellungen werden direkt an den Hersteller weitergegeben, der mit der On-demand-Produktion beginnt. Auf diese Weise wird die konventionelle Wertschöpfungskette aufgebrochen, indem keine Umwege über Zwischenhändler erfolgen. So kann man auf der einen Seite eine Überproduktion verhindern, die dann zu Lagerkosten führt, aber auch die Aufpreise der Zwischenhändler umgehen. Aufgrund der Tatsache, dass der Verkauf der Möbel ausschließlich via Online Shop erfolgt, werden hohe Ladenmieten gespart. All diese Faktoren führen zu einer Kostenreduktion von bis zu 70%, wovon dann der Käufer durch deutlich reduzierte Preise profitieren kann. Einziger Nachteil: Da sich viele Produktionsstätten im Ausland befinden, betragen die Lieferzeiten zwischen 2 und 3 Monaten, - Myfab ist also nichts für Ungeduldige.
Der Shop
Das Design des Shops ist gekennzeichnet durch eine sehr klare Struktur und Schlichtheit. Im Vordergrund stehen die Produkte. Verschiedene Kollektionen werden innerhalb eines rotierenden Teasers im oberen Drittel der Startseite dargestellt.

Neben der Aufteilung der Möbelstücke in verschiedene Kategorien, besteht die Möglichkeit, direkt nach bestimmten Designern, Künstlern oder Kollektionen zu suchen.
Innerhalb der Produktkategorien kann nach Kriterien wie „Preis” und „Farbe” gefiltert werden. Auf der Produktübersichtsseite findet man zusätzlich ein kleines Countdown-Icon, das anzeigt, wie lange die Verkaufsaktion noch dauert.
Auf den Produktdetailseiten findet man diverse Produktansichten sowie Detaildarstellungen von Stoffen, Nähten etc. Zusätzlich zur Produktbeschreibung, werden sowohl Informationen zum Hersteller, als auch zum Designer angeboten. So erhalten die Kunden auf der einen Seite nähere Informationen zur Entstehungsweise ihres Möbelstücks und auf der anderen Seite wird somit auch auf Design-Newcomer aufmerksam gemacht. Der starke Bezug auf die Designer, also auf die Menschen, die hinter den Produkten stecken, erzeugt den Effekt, dass die Produkte einen eigenen, individuellen Charakter erhalten.

Der Checkout:
Hat man dann das Sofa, die Lampe oder das Regal seiner Träume gefunden, gelangt man zum Checkout. Dank der Aufteilung des Checkout-Prozesses in drei einfache Schritte, weiß der Käufer zu jedem Zeitpunkt, in welchem der Schritte er sich gerade befindet. Zwar muss man sich zuvor registrieren, bzw. mit einem eigenen Passwort anmelden, jedoch existiert hier kein umständlicher E-Mail-Bestätigungsprozess, was zur Einfachheit und Schnelligkeit beiträgt. Wurde der Kauf dann erfolgreich abgeschlossen, so kann man per Echtzeit Produkt Tracking verfolgen, wo sich das bestellte Möbelstück gerade befindet – bei der recht langen Lieferzeit ist dies ein sehr hilfreiches Tool.
Fazit:
Jeder, der auf der Suche nach Design zu bezahlbaren Preisen ist, wird Myfab lieben. Der klar strukturierte Shop und die gute Produktdarstellung minimieren den Stress, den man sonst beim Möbelkauf häufig erleiden muss. Gesteigert wird das positive Shoppingerlebnis durch die persönliche Note, die die Designer ihren Werken verleihen. Einziger Wermutstropfen sind die langen Lieferzeiten – jedoch ist Vorfreude ja bekanntermaßen die schönste Freude!
P.S.: Und ok, ich gebe es ja zu: So manchmal verschlägt es mich dann doch noch ins schwedische Einkaufsparadies. Aber wenn, dann ganz heimlich, selbstverständlich ”nur zum Gucken” bzw. “allerhöchstens, um ein paar Teelichter zu kaufen”. Allerhöchstens…..!

Sebastian
16. Mai 2010 um 13:10Dem Urteil über den Onlineshop kann ich nur zustimmen: Gut strukturiert und übersichtlich. Ich habe vor zwei Monaten bei Myfab ein Sofa bestellt, da mir das Design sehr zugesagt hat. Man kriegt ja viel versprochen auf der Website: 24/7 Service, Tracking usw.
Leider halten diese “Offline-Prozesse” mit der tollen Webseite nicht im geringsten mit. Lediglich die Abbuchung des Kaufpreises hat reibungslos funktioniert. Dagegen funktioniert das Tracking nicht, die Hotline ist nach meiner Erfahrung ein Anrufbeantworter (den anscheinend niemand abhört), der Helpdesk zeichnet sich leider durch extrem lange Reaktionszeiten (bzw. gar keine Reaktionszeiten aus). Insgesamt habe ich zwei Anfragen gestellt, die erste am 20. März (seitdem keine Antwort), auf meine andere Anfrage wurde binnen eines Monats mit einer Standardmail reagiert. Wer also Transparenz sucht, ist bei myfab gänzlich fehl am Platz. Ich werde nach Ablauf der maximalen Produktionsdauer nochmal per Einschreiben mit Rückschein anfragen. Insgesamt hab ich bei der Bestellung mittlerweile ein extrem flaues Gefühl und würde dort eher nicht mehr einkaufen.
Jenny
16. Mai 2010 um 20:25Hallo Sebastian, danke für deinen Kommentar! Meine Bestellungen bei Myfab sind bisher durchweg reibungslos verlaufen. Zwar waren die Lieferzeiten sehr lang, jedoch wurde dies auch von Anfang an so kommuniziert und ich konnte mich darauf einstellen. Schade, dass du eher negative Erfahrungen machen musstest. Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen, dass du bald eine Antwort erhältst – das Myfab Helpdesk scheint ja definitiv noch verbesserungswürdig zu sein. Ich hoffe, dass man seitens Myfab daran arbeitet, damit der positive Gesamteindruck der Website und des Bestellprozesses nicht durch ein schlechtes After-Sales-Management gedämpft wird.
Liebe Grüße, Jenny
Torsten Rossbach
21. Mai 2010 um 18:41@ Sebastian: “Leider halten diese “Offline-Prozesse” mit der tollen Webseite nicht im geringsten mit.”
Da hast Du recht. Der Offline-Prozess um die Domain “myfab.de” wurde deshalb wohl auch verloren. Die Konzentration aufs Kerngeschäft wäre wohl nützlich:
http://www.rechtsanwaltmoebius.de/urteile/lg-braunschweig_urteil_9-O-2367-09_myfab.pdf
Ich verstehe nicht, warum immer wieder Abmahnungen ausgesprochen werden, wenn sich Firmen um ein positives Image bemühen.
Sebastian
21. Juli 2010 um 13:20Nur zum Abschluss: Bei meiner Bestellung ist so ziemlich alles schief gelaufen. Nachdem das Ecksofa in zwei verschiedenen Farben geliefert wurde, hat myfab mir heute nach einer immerhin dreiwöchigen Prüfung mitgeteilt, dass sie leider nicht liefern können. Sehr nett diese zeitnahe Information nach ohnehin 3,5 Monaten Wartezeit. Mal sehen, wann mein Geld zurückkommt. Viel Spaß bei der Bestellung bei Myfab.