Autoren-Archiv für Juliane

Apple vs. Adobe

Gestern fand das große Online-Launch-Event für die neue Adobe Creative Suite 5 statt. Nicht nur für mich als Flash-Developerin war ein ganz bestimmtes neues Tool besonders vielversprechend: der iPhone-Packager für ActionScript 3 Projekte. Da man bis dato keine Web-Flash-Inhalte auf dem iPhone anzeigen lassen kann, verhieß der iPhone-Packager eine neue Chance: bestehende Flash Anwendung nehmen, konvertieren und im App Store nun endlich auch auf dem iPhone einer wichtigen Zielgruppe zugänglich machen.

Das wäre wirklich super gewesen. Hätte Apple dem Ganzen nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn mit einer Vorabversion des neuen iPhone OS 4 hat Apple auch gleich die Lizenzbedingungen für Entwickler mit bearbeitet: Das neue Betriebssystem lässt jetzt nur noch Apps zu, die in den von Apple genehmigten Programmiersprachen erstellt wurden. ActionScript gehört nicht dazu.

PFLATSCH. Ja, das klingt in der Tat nach einem Schlag in das Gesicht eines Entwicklers. Und zwar nicht nur in das eines Flash-Entwicklers; betroffen sind auch Entwickler, die iPhone-Apps mit Hilfe von speziellen Tools in Javascript oder C# programmieren.

Und trotzdem fragt man sich besonders als Flash-Developer:

Hat Flash dann im Web überhaupt noch eine Zukunft?

Zusammen mit Html5, das als Standard angeblich bald das können soll, was Flash kann, wird die Diskussion um den Einsatz und die Notwendigkeit der Adobe Software wieder angeheizt. Besonders hervorheben möchte ich hier einen Artikel des Smashing Magazine; nicht wegen des Artikels selbst, sondern wegen der unzähligen Kommentare. Denn obwohl ich mich nach Lesen des Artikels schon mit Gitarre irgendwo in der Fußgängerzone mein Geld verdienen sah, bin ich nach den unzähligen Kommentaren dazu der festen Überzeugung: Es wird auch weiterhin die Notwendigkeit für Flash-RIAs geben, denn zumindest in naher Zukunft kann Html5 den unzähligen Möglichkeiten in der Flash-/Flex-Entwicklung nicht das Wasser reichen.

Zudem glaube ich, dass in der Apple-Adobe-Affäre das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde. Denn Flash-Skeptik hin oder her: Fakt ist, dass Apple einen aus meiner Sicht nicht vertretbaren Eingriff in die Konsumfreiheit von Informationen aus dem Web vornimmt. Ich entscheide doch, was ich mir ansehen will, nicht Apple. Für mich hat da ein Konzern einfach zu viel Kontrolle über die Webinhalte, die ich konsumieren „darf“. Und wie kam da bei einer internen Diskussion über das Thema treffend heraus:

„Immer wird über das Microsoft-Imperium gemeckert. Wenn man aber die Möglichkeit hat, auch ein bisschen Monopolismus zu betreiben, ist man sofort dabei.“

Google Knol

Knol LogoGoogle hat ein eigenes Wissenslexikon. Ja, genau. Neben Emails, News, Videos und Karten/Routenplanern mischt der Internetriese nun auch noch im Online-Enzyklopädie-Geschäft mit. „Von einem ‚Angriff auf Wikipedia’ haben viele geschrieben. Von einer kommerziellen Konkurrenz zum Riesenlexikon der Web-2.0-Welt. Von einem potentiellen Killer für das unabhängige Angebot“, schreibt der Spiegel dazu. Doch die anfängliche Panikmache der Medien ist verflogen.

Spätestens seit dem Release der Public Beta in der vergangenen Woche dürfte klar sein, das Knol (von »Knowledge«) wohl kaum eine große Konkurrenzgefahr für Wikipedia, der Ur-Mutter der Online-Lexika sein dürfte. Nicht, weil Knol in so kurzer Zeit unmöglich an die Wissensdichte einer Wikipedia herankommen kann (mit 2,3 Millionen Artikeln in der englischen Ausgabe). Nein. Sondern weil Knol eigentlich etwas anderes ist als Wikipedia: Bei Knol stehen nämlich die Autoren im Vordergrund, nicht die Artikel. Was das bedeuten soll? Dass bei Knol Artikel wie „Toilet clogs“ (Verstopfte Toiletten) oder „Buttermilk Pancakes“ mit ausführlicher Rezeptbeschreibung für original amerikanische Pancakes zu finden sind.
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Ähnlich wie auf einem großen gemeinschaftlichen Blog sind jegliche subjektive Äußerungen erlaubt bzw. erwünscht, Streits um den Wahrheitsgehalt von Aussagen wie bei Wikipedia gibt es nicht. Entstehen dennoch Diskussionen um ein bestimmtes Thema, so kann jeder User einfach seinen eigenen Knol (also Artikel) auch zum gleichen Thema schreiben. Wem der Leser am Ende glaubt, ist allein ihm überlassen. Klingt wie ein Paradies für Hobby-Schreiber, bei dem man seinen kreativen Ergüssen freien Lauf lassen kann. Und das ohne sich am Ende mit anderen Usern in Korrekturkriegen verausgaben zu müssen. Schon ein wenig beeindruckend, wie Google in einer Internetwelt, in der es schon fast alles zu geben scheint, immer wieder einen Platz für sich findet.

Behavioral Targeting

Es ist mehr als anderthalb Jahre her, da schrieb ein Kommilitone von mir eine Semesterarbeit über Behavioral Targeting als eine der neuesten Trends im Bereich des Online-Marketings. Heute, in der aktuellen Juli-Ausgabe der acquisa, fragt die Redaktion:

„Ist Behavioral Targeting (BT) eine neue »Wunderwaffe«?

Gut, über das Attribut „neu“ brauchen wir dann wohl nicht mehr zu sprechen. Aber über das Thema Wunderwaffe lohnt es sich, vielleicht einmal kurz nachzudenken.

Zunächst: Was ist Behavioral Targeting? Im Prinzip macht diese Form des Online-Marketings nichts anderes, als Banner und andere Online-Werbung aufgrund des Online-Verhaltens bestimmter Nutzergruppen zu platzieren. Das heißt, es werden Informationen darüber gesammelt, welche Internetseiten ein User häufig besucht und welche Interessen er hat, um Werbung für ihn gezielt zu platzieren. „Advertising gets personal“, wie das die Experten von eMarketer einst recht simple beschrieben. Inzwischen stellte selbiges Marktforschungsunternehmen fest: Behavioral Targeting wird in der Werbebranche zunehmend populärer. Laut einer aktuellen Prognose sollen die Ausgaben auf dem US-amerikanischen Markt von 775 Mio. US-Dollar in 2008 auf 4,4 Mrd. US-Dollar in 2012 steigen. Hauptsächlich verantwortlich für diesen Wachstumsschub könnten Online-Videos sein. Zwar ist die Werbung in und um Videos noch relativ teuer – mit der Anzahl der online verfügbaren Videos wird jedoch auch der Gebrauch des Behavioral Targeting zur zielgerichteten Adressierung von Werbung zunehmend genutzt werden.

Klingt also tatsächlich ein wenig nach Wunderwaffe, diese personalisierte Werbung. Wäre da nicht genau eben dieses Wort – „personalisierte Werbung“. Denn das ist für die meisten Internetuser ein rotes Tuch. In Zeiten, in denen online zwar jeder und überall unzählige Informationen freiwillig über sich preis gibt, ist sich ein Großteil der User trotzdem einig: Die Verwendung von persönlichen Daten für nutzerbezogene Werbung ist ein absolutes No-Go. Besonders in Erinnerung gelieben sein dürfte da vor allem das riesige Debakel um die neuen Geschäftsbedingungen von StudiVZ. Aber auch das „reine Mitprotokollieren“ der eigenen Webaktivitäten zur Verwendung für Dritte wird von den meisten Internetnutzern kritisiert. Das fanden zumindest eMarketer in einer weiteren aktuellen Studie heraus. Rund 70 % der US-User sind sich über die Mitprotokollierung im Klaren, aber nur 23% davon haben kein Problem damit.

Statistik von eMarketer

Bildquelle:createordie.de

“Prinzipiell wollen Konsumenten zwar Werbung, die auf ihre persönlichen Bedürfnisse und Interessen zugeschnitten ist. Was die hierfür notwenige Erhebungsmethode betrifft, sind sie aber überaus kritisch”, so ein Auszug aus dem eMarketer-Bericht. Klingt also nach einem eindeutigen Problem. Eine Möglichkeit, User zur Annahme des BT zu bringen, sei die vorherige Einholung des Einverständnisses. So zumindest der Vorschlag im Bericht. Ich bin gespannt, ob und wie sich diese Debatte weiter fortsetzen wird. Oder ob es am Ende nicht doch ähnlich wie bei StudiVZ laufen wird: Die anfängliche Kritik löst sich mit der Zeit in Luft auf, bis es keinen mehr interessiert… und schließlich mehr oder minder als gegeben hingenommen wird.

Meine Diplomarbeit bei netz98 [The Plain Truth]

Es ist jetzt etwa ungefähr ein Jahr her, dass ich angefangen habe meine Diplomarbeit bei netz98 zu schreiben. Ja, ich bin noch da. Nein, ich gehöre nicht zur langsamen Sorte. Ich habe natürlich mein Diplom mittlerweile in der Tasche, ne ziemlich gute Note abgegriffen und bin bei netz98 geblieben – als Illustratorin, Flash-Designerin und Informationsarchitektin (Eierlegende Wollmilchsau war den Chefs als Jobbezeichnung zu allgemein).

Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich sagen: ICH HAB’S ÜBERLEBT. Das war wirklich ein hart erkämpfter Abschluss. Nicht nur, weil ich auf die wahnwitzige Idee gekommen bin, zwei Tage die Woche in der Agentur Tagesgeschäft zu machen und den restlichen Teil der Woche Diplomarbeit zu schreiben. Da konnte man mit einem Brückentag mit „Motivations-Shopping“ schon irgendwie halbwegs wieder den Einstieg ins Thema (der Diplomarbeit) finden.

Das größte Problem aber war ein ganz anderes: Dass ich doch tatsächlich geglaubt habe, mich innerhalb von drei Monaten ganz easy in das Feld der Neurowissenschaft einzuarbeiten. Als ich nach etwa einem Monat dann morgens mit Schweiß auf der Stirn und dem Wort „dorsolateraler präfrontaler Kortex“ auf den Lippen aufgewacht bin, wusste ich: Ich hab das irgendwie doch leicht unterschätzt. Naja, zumindest hatte ich einen Heidenspaß daran, das Gehirn und seine zugehörigen Teile und Bereiche farbig schön zu illustrieren. Man muss sich halt auch in solch einer Stress-Situation seine kleinen Freuden suchen.

Im Endeffekt hat ja alles mehr oder minder gut geklappt, auch wenn ich den letzten Monat eigentlich nur mit Baldrian-Tee und Gute-Nacht-Geschichten meiner Mitbewohnerin zum Abflachen der Panik-Anfälle überstehen konnte. Aber die Mühe hat sich gelohnt, und letzen Endes auch der teilweise leicht abormale Ehrgeiz, der mir manch schlaflose Nacht beschert hat. So, und nun noch die Moral von der Geschicht: Nimm dir Zeit, sonst wird das nischt!

Meine Diplomarbeit bei netz98 [The Official Version]

Wie schon Raphael vor mir, möchte auch ich heute mal ein paar Infos über meine Diplomarbeit bei netz98 preisgeben. Zunächst einmal: Ich bin schon fertig. Vor etwa einem Dreiviertel-Jahr habe ich meinen Abschluss als Dipl.-Medienwirtin (FH) an der FH O/O/W gemacht – in Zusammenarbeit mit netz98. Im Gegensatz zu den meisten Diplomanden hier (die, mal etwas vereinfacht gesagt, etwas programmieren und dann darüber schreiben) habe ich ein theoretisches Thema gewählt. Mit diesem habe ich mich initiativ bei netz98 beworben, und obwohl „Cue-Management im Web“ wahrscheinlich nicht auf Anhieb ein Lämpchen im Kopf hat aufleuchten lassen, konnte ich nach drei Monaten Praktikum dann direkt mit dem Schreiben meiner Diplomarbeit beginnen. Während der Schreibphase habe ich zwei Tage die Woche in der Agentur gearbeitet, den Rest der Woche musste ich mich in den Büchern vergraben.

(Dazu ein Tipp: Die Mainzer Uni bietet nicht-einheimischen Studenten die Möglichkeit, sowohl die Bibliothek als auch die Rechner mit einem Gast-Account zu nutzen. Kann äußerst hilfreich sein… :) )

So, und darum ging es in meiner Diplomarbeit „Cue-Management im Web. Die Vermittlung unterbewusster Botschaften zur Beeinflussung des Kunden bei der Markenkommunikation im Internet“:

Weiterlesen von ‘Meine Diplomarbeit bei netz98 [The Official Version]‘

Branded YouTube Channels als Mittel der Markenkommunikation

Nicht das Rad neu erfinden, sondern nutzen was da ist – und vor allem von den Vorteilen profitieren, die das Vorhandensein und die Bekanntheit bestehender Anwendungen mit sich bringt. Dieses Motto verfolgen bislang noch nicht viele Unternehmen im Netz.

Jeder hat möglichst seinen eigenen Video-Player, einen eigens angefertigten Newsticker, seine eigene aufwendig programmierte Community oder Bildergalerie. Besonders im Community-Bereich tüfteln immer wieder Programmierer an Modulen zum Hochladen von Bildern, Videos oder anderweitigem User Generated Content. Dabei kann es durchaus effektiver sein (wenn auch nicht immer einfacher), bestehende Applikationen oder Portale für seine Zwecke zu nutzen.

Statt eines Live- oder Newstickers könnten beispielsweise Twitter-Nachrichten eingebunden werden, statt unzählig viel Speicherplatz fressenden Bildergalerien kann man eigene Bilder oder aber Bilder von anderen Usern über Flickr anzeigen lassen und statt der handgezeichneten Anfahrtsskizze wird eine GoogleMaps mit integriertem Routenplaner eingebunden. Zugegeben, zumindest letzteres scheint schon einen relativ hohen Verbreitungsgrad zu haben. Aber gerade im Multimedia-Bereich scheint das Nutzen bestehender Portale noch ein wenig verpönt zu sein. Noch. Denn mittlerweile hat doch das ein oder andere Unternehmen die Vorteile vorhandener Web2.0-Plattformen entdeckt. Bestes Beispiel: Die branded YouTube Channels.

YouTube Channels

YouTube bietet mit den Channels (Kanälen) eine Möglichkeit, alle Profildaten, eigenen Videos, Favoriten etc. an einem öffentlichen Ort anzeigen zu lassen. Die Informationen, die auf dieser Kanal-Seite bereitgestellt werden, sind dabei ganz individuell an- und abstellbar, d.h. jede Kanalseite kann auf die individuellen Wünsche des Users (im Falle der gebrandeten Kanäle: des Unternehmens) abgestimmt werden. Damit sind nicht nur Features gemeint, sondern auch die grafische Oberfläche des Kanals, die eine Vielzahl von Anpassungen ermöglicht. Wie gut man die Channels auf das CI des eigenen Unternehmens abstimmen kann, machen schon einige vor: Das ZDF, der Eurovision Song Contest, auto motor und sport oder (und neu dabei) Sun Microsystems Deutschland. Besonders letzterer Channel, das „Sun Vision.TV“, ist eine kleine Überraschung. Als erster Business-to-Business-Anbieter möchte Sun Microsystems seine Marketing-Aktivitäten auf Videobotschaften ausdehnen und zeigt daher neben News und Kundenberichten beispielsweise auch Videos für Entwickler und IT-Architekten.

Die Vorteile solcher gebrandeten YouTube Channels liegen klar auf der Hand:

  • Enorm höhere Reichweite als wenn das Video nur auf der eigenen Firmenwebsite veröffentlicht wäre, Nutzung viraler Effekte (die Videos sind für die gesamte YouTube Community sichtbar)
  • Leichte Einbindung in die eigene Firmenwebsite über YouTube Player (der ebenfalls farblich anpassbar ist)
  • Einfache Handhabung, da Videos nicht erst in spezielles Format des firmeneigenen Players konvertiert werden müssen
  • und und und…

Bei so viel Schwärmerei verwundert es nicht, dass natürlich auch netz98 seinen eigenen YouTube Channel eröffnet hat (noch im CI der kürzlich abgehaltenen 10-Jahres-Feier):

netz98 YouTube Channel

Macht schon einiges her, oder? :)

Neckermann Schweiz vertreibt künftig nur noch übers Internet

Als erster Multi-Channel-Versender konzentriert sich Neckermann zukünftig zu 100% auf das Online Geschäft und verzichtet damit komplett auf den Katalogversand – zumindest in der Schweiz. Damit will Neckermann laut Pressemitteilung zum „führenden E-Commerce-Anbieter der Schweiz“ werden und dafür auch das Sortiment erweitern.

Grund für diesen Schritt ist Neckermanns Erfolg im E-Commerce: Die Besucherzahlen der Website konnten bisher im Vergleich zum Vorjahr um über 110 Prozent gesteigert werden und der Anteil an der Gesamtnachfrage ist seit dem letzten Jahr von rund 25 auf über 55 Prozent gewachsen.

Um das selbstgesteckte Ziel zu erreichen, bis 2010 mindestens 70 Prozent des Umsatzes über das Internet zu erwirtschaften, hat auch neckermann.de in den letzten Jahren einige wichtige Erweiterungen seines Online-Angebots vorgenommen. Ein kurzer Rückblick zeigt die Bereitschaft des Versandhauses, neue und auf das Medium Internet angepasste Wege zu gehen:

  • Eigenes Online-Angebot für Sammelbesteller(2007): Sammelbesteller erhalten eine Identifikationsnummer, über die Mitbesteller Produkte in einen gemeinsamen Warenkorb legen können. Bestellung, Zahlungsabwicklung und Retourenmanagement übernimmt wie im klassischen Versandhandel der Sammelbesteller.
  • Web-Radio (2008): Das „N-Radio“ mit 2 Kanälen kann während des Stöberns auf neckermann.de gehört werden und soll für “eine noch angenehmere Einkaufsatmosphäre” sorgen. Außerdem werden Podcast-Beiträge wie “Fit mit Grit” (Entspannungsübungen) oder “Dingsbums” (Rätselspaß mit Kindern) angeboten. Mittlerweile ist das N-Radio auch über eine Desktop-Widget oder die Neckermann Toolbar verfügbar.
  • eShop-Programm (2008): Neckermann bietet für seine Partner individuell gestaltbare eShops unter eigenen Namen und mit individueller Internet-Adresse, auch die angebotenen Produkte können im eigenen Look&Feel präsentiert werden und thematisch sortiert werden.

neckermann

Der Streit um eine öffentlich-rechtliche Presse im Netz

Ein neuer Entwurf des Rundfunkstaatsvertrag sieht die Beschränkung der Online-Textangebote der öffentlich rechtlichen Sender auf “sendungsbezogene” Beiträge vor. Diese Abänderung des bestehenden Vertrages ist dabei die Antwort auf eine Anforderung der EU-Kommission, den Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender im Internet genauer zu definieren. Doch anstatt sich genau dieser zugegebenermaßen nicht gerade trivialen Aufgabe zu widmen, versuchen deutsche Medienpoltiker eine Lösung mit für sie kräftschonenden Mitteln zu finden.

Sollte der neue Rundfunkstaatsvertrag mit der Beschränkung der Online-Textangebote der öffentlich-rechtlichen Sender tatsächlich durchgesetzt werden, so heißt das ganz konkret: Außer Video und Audio dürften nur begleitende bzw. ergänzende Informationen gezeigter Rundfunkinhalte veröffentlicht werden. Also im Prinzip eine reine Verlagerung des TV ins Netz plus das, was man sonst in klassischen Fernsehzeitungen über die Sendungen zu lesen bekommt. So soll die gebührenfinanzierte Marktverdrängung privater Sender und vor allem Verleger durch eine öffentlich-rechtliche Presse im Netz verhindert werden. “Wir werden in Zukunft unsere Erlöse zunehmend im Netz erwirtschaften müssen. Und da stört es mich schon, dass wir dort auf einen Wettbewerber treffen, der anders als die Verlage gebührenfinanziert ist“, sagt Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitschriftenverleger, gegenüber Heise online.

Klingt ja grundsätzlich nicht verkehrt. Aber wir sprechen hier über das Internet. Hätte man dem Spiegel zum Launch seines Online-Auftrittes vor einigen Jahren vorgeschrieben, dass nur die Printausgabe ins Netz verlagert werden darf (also nur Textbeiträge und Fotos), weil da ja auch an die Übertragung audiovisueller Informationen im Internet noch nicht so recht zu denken war, dann könnte man spiegel.de heute im Museum des digitalen Mittelalters begutachten. Denn gerade die hier und da zur Verfügung gestellten Videos und Audiobeiträge machen das Magazin als multimediale und daher zeitgemäße Informationsquelle aus. Sicher, das Kernstück von Online-Zeitungen liegt nach wie vor auf Textbeiträgen… aber warum sollte man den Öffentlich-Rechtlichen nicht auch die Möglichkeit geben, neben dem ihrigen Kerngeschäft begleitende Beiträge in anderer Form bereitzustellen? Und sich so dem rasch entwickelnden Medium des Internets anzupassen?

Als man Zeitschriften noch in schwarz-weiß gedruckt hat, da hätte man doch auch niemandem verboten, nach der Erfindung von Farbpatronen auf Farbe umzusteigen. Immerhin geht es doch um den Inhalt, um das, WAS kommuniziert wird und nicht WIE. Aber statt sich genau um diesen Punkt zu kümmern, nämlich den öffentlich-rechtlichen Auftrag für das Internet näher zu definieren, stattdessen möchte man die Konkurrenzgefahr durch Beschränkung auf Kanäle eindämmen. Und durch eine finanzielle Schranke in Form eines festgelegten Online-Budgets der Öffentlich-Rechtlichen. Eine mehr oder minder einfache Lösung, die mit Sicherheit auch einen gewissen Effekt hat. Vorerst. In meinen Augen wird die deutsche Medienpolitik aber früher oder später nicht drum herum kommen, sich ausführliche Gedanken um den Inhalt und das Ziel digital bereitgestellter Informationen der gebührenfinanzierten Rundfunkanstalten zu machen.

Faszination Twitter

Für die einen ein unerklärliches Phänomen, für die anderen ein ebenso überlebenswichtiges Alltagstool wie das Handy: Twitter. Egal, ob Gedanken zum aktuellen Weltgeschehen oder Informationen über die Zusammensetzung des gerade eingenommenen Frühstücks – Twitter ist für jeden, der sein (Innen-)Leben und das Leben anderer gern teilt, die passende Plattform.

Über kurze 140-Zeichen-Mitteilungen werden Textnachrichten in einer Art Blog veröffentlicht (deshalb auch “Microblogging” genannt) und an alle Benutzer versendet, die sich für die Person oder das Thema interessieren („Followers“).

Twitter Beispiel

Ein bisschen wie SMS-Schreiben also, nur für die ganze Welt und damit alle Freunde im Internet zugänglich. Genau darin scheint auch der Reiz von Twitter zu liegen: Kurze, zwischen Meeting und Mittagspause geschriebene Nachrichten können schnell und einfach über verschiedenste Dienste wie SMS, Instant Messenger oder eine Desktopapplikation an eine breite Masse von Freunden und Fremden gesendet werden. Und, was noch viel wichtiger ist: Man kann so auch über alle News seiner Freunde ständig informiert bleiben. Im Gegensatz zu normalen Instant Messengern steht hier nämlich nicht die Kontaktpflege oder die reine Unterhaltung im Vordergrund, wie eine aktuelle Studie der Communityseite Trndometr zeigt:

Twitter Studie
(Grafik lizensiert unter Creative Commons)

40% aller 1.035 Teilnehmer sehen die wichtigste Funktion von Twitter im schnellen Austausch von Informationen. „Weil Twitter - im Gegensatz zu Mail, eben schneller und unkomplizierter ohne langes Drumherum ein kurzes Hallo ermöglicht“, interpretiert Olaf Kolbrück auf dem Off-the-Record-Blog die Ergebnisse der Studie. Diesen Aktualitätsvorteil hat übrigens auch schon Google für sich entdeckt: die amerikanische Version der Google News hat bestimmten Twittern-Usern dieselbe Newspriorität wie kleineren Zeitungen zugeteilt, sodass ihre Twitternachrichten ab und zu auf der Google News Seite auftauchen (Quelle: Wikipedia).

Nachtrag zum Thema Twitter:
Hier noch eine interessante Story, wie Twitter mit der Einhaltung seiner Nutzungsbedingungen bzw. deren Verletzung umgeht…

Das Internet als kommerzielles Leitmedium?! - Ein kurzes Update

Es ist ja eigentlich nichts neues: Das Internet gewinnt als Medium rasant an Bedeutung, sowohl aus Nutzungssicht als auch aus Sicht der Werbeindustrie. Schon 2007 war das Netz zumindest bei Jugendlichen der beliebteste Zeitvertreib, im Bevölkerungsdurchschnitt lag es nur noch 11% hinter dem Fernsehen. Bei dem heutigen Fernsehprogramm nur eine Frage der Zeit, bis das Web insgesamt zum meistgenutzten Medium wird (sieht die EIAA übrigens genauso, unabhängig vom Fernsehprogramm :) ).

In Großbritannien ist heute nach einer aktuellen Studie sogar absehbar, wann das TV auch seine Rolle als umsatzstärkstes Werbemedium ans Web abtritt: Spätestens Ende 2009 sollen die Online-Werbeinvestitionen die des klassischen Fernsehens überholt haben (wie es beispielsweise in Schweden schon der Fall ist). In Deutschland ist die Sachlage momentan zwar noch etwas anders (hier soll sich das Wachstum des Internets zunächst eher zu Lasten der Printwerbung auswirken) – trotzdem sprechen beispielsweise auch die Prognosen des OMD für eine baldige Vorreiterstellung des Internets gegenüber klassischen Medien. Diese Entwicklung wird natürlich auch auf Seiten der Werbeanbieter deutlich. Erst diese Woche kündigte beispielsweise Yahoo! an, die neue Werbeplattform AMP! ins Leben zu rufen.

”The AMP! platform will ultimately help marketers buy across search, display, local, mobile, and video inventory - all from a single, integrated interface.” Quelle: Yahoo! Press Room

Eigentlich schon ein wenig kurios, zumindest in anbetracht der gestrigen Meldung. Wie berichtet wurde, kündigen Yahoo und Google nämlich eine Zusammenarbeit an, zumindest auf Zeit. In einer Art Testlauf will Yahoo 14 Tage lang Werbeanzeigen vom größten Konkurrenten Google auf den eigenen Seiten schalten. Zwar dient dies wohl eher der taktischen Abwehr einer möglichen Übernahme von Yahoo durch Microsoft, aber es zeigt: Die Veränderungen im Bereich des Online-Werbemarkts auch bzw. gerade von Seiten der Anbieter sprechen für eine Entwicklung des Internets zum kommerziellen Leitmedium. Irgendwann vielleicht sogar mit einem marktbeherrschenden „Yahoogle! AdWords“.